Beratung für Dich. Kathrin Matti. Individualpsychologische Beraterin AFI, noch in Ausbildung. Akademie für Individualpsychologie, Embrach

Wichtige Begriffe:

Lebensstil Der GPI® Finalität

Lebensstil

«Jeder trägt eine Meinung von sich und den Aufgaben des Lebens in sich,
eine Lebenslinie und ein Bewegungsgesetz, das ihn festhält,
ohne dass er es versteht, ohne dass er sich darüber Rechenschaft gibt.»
(Ansbacher)

Im Jahr 1929 gebrauchte A. Adler erstmals den Begriff Lebensstil. Bis dahin sprach man in der Individualpsychologie von dem Begriff Lebensplan. Der Lebensstil ist wie ein roter Faden durch das eigene Leben. Mit anderen Worten beschreibt er die private Logik eines Menschen. Jeder Mensch hat einen Plan, wie er leben will und wie er sich mit den Chancen und Problemen des Lebens auseinander setzt. Jeder Mensch formuliert seinen Lebensstil schöpferisch selbst. Als Kind werden die eigenen persönlichen Ziele entwickelt, von welchen das Denken, die Gefühle und das Handeln geleitet werden. In den ersten 5–6 Lebensjahren erforscht ein Kind wie es Schwierigkeiten überwinden kann. Es versucht mit welchen Methoden es erfolgreich ist. Bis zu diesem Alter deutet das Kind seine Erfahrungen und bildet die Grundvorstellung von sich selbst, den Menschen und der Welt, und wie man mit den Situationen seines Lebens umzugehen hat, um seinen Platz zu haben.

Das Kind deutet seine Erfahrungen subjektiv. Es bildet sich eine feste Meinung über:

Selbstbild
Darin findet sich die Meinung von sich selber. «Wer, was bin ich?»
Folgende Lebensstilsätze können daraus entstanden sein:
Ich bin gut. Ich bin dumm. Ich bin klein.

Fremdbild
Wie sehe ich die Anderen. Und wie nehmen die Anderen mich wahr.
Männer sind ungerecht. Die Anderen interessieren sich nicht für mich.

Weltbild
Darin entsteht die Meinung über die Welt, das Leben und was richtig oder falsch ist.
Das Leben ist gefährlich.

Aus diesen vorgefassten Meinungen schliesst das Kind logische Schlussfolgerungen und gewöhnt sich eine Methodik an. Man muss mir helfen. Ich muss im Mittelpunkt stehen. Daraus ergibt sich ein oft unbewusstes persönliches  Ziel. Das gibt dem Leben einen Sinn. So entwickelt sich der Lebensstil eines Menschen und zieht sich dann durch sein ganzes Leben wie eine seltsame Melodie, die er selbst geschaffen hat.

Der Lebensstil hat grossen Einfluss auf unser Leben, wir sind ihm aber nicht ausgeliefert. Durch das Erkennen und durch Ermutigung können neue Muster eingeübt werden. Aus der Reflektion des Erwachsenen gewinnen wir mehr Verhaltensmöglichkeiten. Den Lebensstil erkennen, heisst sich selber erkennen. Und demzufolge sich auch selber zu verstehen.

Der GPI©

Die Psychologin Nira Kefir (Israel) hat in den 70er Jahren auf der Grundlage der Individualpsychologie das Modell der Grundrichtung der Persönlichkeit entwickelt. In Deutschland wurde dieses Modell weiterentwickelt und durch Theo Schoenaker, Gründer des Adler-Dreikurs-Instituts verbreitet. Dieses Verfahren wurde in den Bereichen Unternehmungsberatung, Einzel- und Teamcoaching sowie zur Laufbahnberatung eingesetzt. Das Testverfahren des GPI© in der heutigen Version wurde in mehrjähriger Arbeit untersucht und von Coachingplus GmbH entwickelt.

Jeder Mensch ist einzigartig und unverwechselbar. Dennoch haben Menschen Wünsche, Bestrebungen und Tendenzen, die in vier Gruppen unterteilt werden können. Jeder dieser Wünsche kann an erster Stelle stehen. Daher bezeichnet man diese als Prioritäten.

Die Prioritäten zeigen Grundüberzeugungen, Denk- und Verhaltensmuster. Es sind die Hauptziele eines Menschen. Sie sagen aus, was der Mensch am Höchsten bewertet, anstrebt, auf alle Fälle vermeiden will und welchen Preis er dafür zahlt.

Bei jeder Priorität zeigen sich Stärken und Schwächen. In jeder Priorität besteht die Möglichkeit durch Ermutigung seine Chancen zu nutzen. Aber es bringt auch immer die Gefahr mit, durch Entmutigung in Schwierigkeiten zu kommen.

Der Geschäftige
Ich will Bedeutung haben, ich will der Stärkste sein, ich will gewinnen

Der Konsequente
Ich wünsche mir Sicherheit, Schutz vor Unerwartetem, überschaubare Verhältnisse

Der Freundliche
Die anderen sollen mich mögen, oder zumindest nicht gegen mich sein

Der Gemütliche
Ich möchte es angenehm haben. Ich will nicht «müssen»

In dem Testverfahren GPI© können anhand von 28 Fragen diese Grundrichtungen bestimmt werden. Im Ergebnis zeigt die Höhe der Punktezahl, welche Grundüberzeugung eine Person am Höchsten bewertet. Jede, der vier Prioritäten kann an erster Stelle stehen. Jede Priorität hat ihren Preis. Je mehr eine Priorität die anderen übersteigt, desto mehr müssen die anderen zurücktreten. Gleichzeitig erkennt man die möglichen Spannungsfelder der einzelnen Grundrichtungen. Dieses Ergebnis zeigt, wo im Leben vermutlich die intensivsten Problemfelder zu finden sind.

Finalität

Es ist eine grosse Herausforderung das Verhalten eines Menschen zu verstehen. Insbesondere bei störendem Verhalten, ist es dann meistens die Aufgabe des Beraters Lösungen zu finden. Wir können nach einer kausalen Erklärung suchen. (Kausal kommt von causa; Grund, Ursache) Das heisst wir denken über die möglichen Ursachen nach. «Er macht das weil, …» Rudolf Dreikurs erklärt das anhand eines Beispiels: Eine Frau steht während einem Vortrag auf und verlässt den Raum. Eine kausale Erklärung wäre, dass die Frau durstig ist. Genau genommen erklärt das uns aber nicht, warum sie den Raum verlässt. Es erklärt uns nicht, dass sie rausgehen muss. Sie hätte ja auch sitzen bleiben können. Nicht jede Person, die  durstig ist, verlässt den Raum. Und nicht jede Person, die das Zimmer verlässt, ist durstig. Wir können mit einer kausalen Erklärung das Verhalten nicht verstehen.

Im Jahre 1912 lehnt Alfred Adler das Kausalitätsverständnis grundsätzlich ab. Er orientiert sich an der Finalität, der Zielorientiertheit. Er ist der Überzeugung, dass alle menschliche Verhaltensweisen und Ausdruckssignale zielgerichtet sind. Anders erklärt: Wir handeln, um etwas zu erreichen oder zu vermeiden. Am Ergebnis erkennen wir die wahre Absicht. Daraus ergibt sich die finale Erklärung. (finis; Ende, Ziel, Zweck) Das heisst wir denken über das Ziel des Handelns nach. «Er macht das, um zu …» Fragen wir also „wozu“ und nicht «warum», können wir die Absicht eines Verhaltens erkennen. Im Beispiel von Rudolf Dreikurs ist die finale Erklärung folgendermassen: Die Frau verlässt den Raum, um ein Glas Wasser zu holen. Damit erklärt sich, wozu sie aufsteht und den Raum verlässt.

Das zielorientierte Verhalten ist immer mit einem bewussten oder unbewussten persönlichen Nutzen verbunden. Dazu kommt, dass Symptome immer im Dienst unserer Gefühle stehen. Wir denken etwas, daraus produzieren wir die entsprechenden Gefühle und dann handeln wir. Das Ziel ist es, das Denken einer Person zu bestätigen. Wenn wir das Verhalten eines Menschen verstehen wollen, ist es wichtig, dass wir die Finalität erkennen. Wenn man jetzt aber nicht weiss, was Sinn und Zweck eines Verhaltens ist, muss man einfach nur beobachten, was danach passiert. Denn eine simple Faustregel lautet; Die erzielte Wirkung ist in der Regel auch die beabsichtige Wirkung. Mit den Worten von Theo Schoenaker:

«Wenn du wissen willst, was du willst,
musst du schauen, was du tust und was das Resultat dabei ist.»

Das Ziel eines Menschen erklärt sein Verhalten! Der Mensch lebt sein Leben nicht zufällig, denn mit seinem Denken und Handeln werden Lebensziele verfolgt. Angestrebte und erreichte Lebensziele geben Auskunft über die Finalität eines Menschen. Ein Ziel braucht nicht in Worten ausgedrückt zu werden, und der Mensch muss sich seines Zieles auch nicht bewusst sein. Dass ein Verhalten zielgerichtet ist, bedeutet nicht zwangsläufig, dass es auch bewusst geplant ist. Auch wenn das angestrebte Ziel nicht erreicht wird, erklärt es das Verhalten.

«Alles, was du tust, fühlst, denkst, erwartest oder träumst,
ist das Ergebnis deiner eigenen, meist unbewussten Entscheidungen.»
(Theo Schoenaker)

Wenn wir davon ausgehen, dass unser Verhalten von unseren eigenen Entscheidungen abhängig ist, müssen wir auch die daraus folgende Verantwortung und Konsequenz tragen. Ich kann mich, wenn ich will, anders entscheiden…
Ich habe mich entschieden den Raum zu verlassen, sonst hätte ich den Raum nicht verlassen.
Ich habe mich entschieden traurig zu sein, sonst wäre ich jetzt nicht traurig.
Ich habe mich entschieden die Ausbildung zu machen, sonst würde ich sie jetzt nicht machen.

In der Beratung ist es wichtig, hinter die oft vorgegebene Absicht zu schauen und die tatsächliche Finalität zu erkennen. Wenn wir das Ziel kennen, verstehen wir den Weg. Durch das Erkennen, mit Ermutigung und Übung bekommen wir mehr Wahlfreiheiten, in einer Stresssituation, eine andere Entscheidung zu treffen. So können Verhaltensmuster verändert werden.

«Wenn du wahrnimmst, dass dein Leben immer wieder nach einem
ganz bestimmten Muster abläuft, dann kannst du erst einmal aufhören,
den bösen anderen oder dem Zufall die Schuld zuzuschreiben,
sondern dies als Ausdruck deiner eigenen Entscheidungen akzeptieren.»
(Theo Schoenaker)

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