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Individualpsychologie

Menschenbild

Was ist Individualpsychologie?

Die Individualpsychologie ist eine der drei klassischen Richtungen der Tiefenpsychologie und wurde von Dr. Alfred Adler (1870–1937) begründet. Die Individualpsychologie ist eine Sozialpsychologie und eine verständliche Alltags- und Gebrauchspsychologie.

Zur Geschichte von Alfred Adler

Alfred Adler war das zweite von sechs Kindern eines jüdischen Getreidehändlers. Als Kind eiferte er seinem älteren Bruder nach, der später ein erfolgreicher Kaufmann wurde. Alfred Adler selber war das Lieblingskind seines mutigen und fleissigen Vaters. Zur Mutter pflegte er weniger intensiven Kontakt. Sein Vater gab ihm den Rat: «Alfred, glaub gar nichts!» Dieser Grundsatz begleitete ihn sein Leben lang und wurde zum Grundpfeiler seiner Lebenseinstellung, alles sorgfältig, eigenständig und kritisch zu prüfen. So sollte Alfred Adler wegen ungenügender Mathematiknote die Schule verlassen. Sein Vater stand zu ihm, und riet ihm, dieser Drohung nicht zu glauben. Adler strengte sich daraufhin an und überwand die Schwierigkeiten. Er bestand dann auch ohne Schwierigkeiten die Matura und promovierte 1895 in Wien zum Doktor der Medizin.

Adler hatte eine Organminderwertigkeit. Er litt an Rachitis und einem Stimmritzkrampf beim Weinen. Als Adler fünf Jahre alt war, erkrankte er an Lungenentzündung, an der er fast gestorben war. Diese frühen Erfahrungen und auch der Tod seines jüngeren Bruders waren entscheidend für die spätere Berufswahl. Ein Arzt war hilfreich, Unzulänglichkeiten zu überwinden. Seine eigenen Erfahrungen des Ausgeliefertsein und der Unzulänglichkeit waren Anstösse für seine spätere theoretische Entwicklung. Das Minderwertigkeitsgefühl und dessen Überwindung (Kompensation) beschäftigten ihn sein ganzes Leben lang.


Alfred Adler

Begründer der Individualpsychologie und Verfasser zahlreicher Lehrmittel und Werke.

Alfred Adler – Begründer der Individualpsychologie

Er heiratete 1897 in Moskau eine Russin. Aus dieser Ehe stammen vier Kinder.

Adler studierte Medizin an der Universität in Wien. Er arbeitete als Augenarzt und führte eine Praxis für Allgemeinmedizin in einer Gegend in der die Patienten in ärmlichen Verhältnissen lebten. Diese Umstände waren grundlegend, dass er später eine Sozialpsychologie formulierte. Es war ihm wichtig eine Medizin für das Volk zu schaffen.

Im Jahre 1902 trat Alfred Adler der Studiengruppe von Sigmund Freud (Psychoanalyse) bei. Freud betonte die Aufspaltung der Persönlichkeit. Problemverhalten entspringen in der Persönlichkeitsstruktur und der Ausgangspunkt sind die Triebe. Über dem ICH steht das ES und das Über-ES. Zwischen diesen Polen entscheidet sich das ICH und das verursacht Spannungen und Ängste. Freud ging davon aus, dass das ES (Triebe) stärker ist. Im Laufe der Zeit entwickelte Adler jedoch seine eigenen Ansichten.

Adler war der Überzeugung, dass der Mensch nicht von Trieben bestimmt werde. Er sah den Mensch als unteilbares Ganzes mit einem zielgerichteten Verhalten. Probleme zeigen sich aus der Minderwertigkeit im Lösen der Lebensaufgaben. (Arbeit, Liebe, Gemeinschaft).

 

«Menschsein heisst sich minderwertig fühlen.»
(Alfred Adler)



Diese Meinungsverschiedenheiten führten 1911 zum Bruch mit S. Freud. A. Adler legte die Bausteine für seine Schule, die Individualpsychologie. (Lat.: Individuum = in-dividual = un-teilbar = Ganzheitlich)

1907 publizierte er als erstes Hauptwerk seine «Studie über Minderwertigkeit von Organen». Mit seinem 2. Hauptwerk «Über den nervösen Charakter» im Jahre 1912 schaffte er den Durchbruch in die Fachliteratur. 1913 schrieb er das 3. Hauptwerk  «Heilen und Bilden» für die Erziehungskunst für Ärzte und Pädagogen. 1914 gründete er die «Internationale Zeitschrift für Individualpsychologie». Aus dem kleinen Kreis von Adler wurde innerhalb kürzester Zeit eine Bewegung mit theoretischer Fundierung, organisatorischen Strukturen und vielen Mitarbeitern.

Der Beginn des ersten Weltkrieg 1914 stoppte den Ausbau der Individualpsychologie. Adler leistete Dienst als Militärarzt in Krakau. Nach dieser Zeit stellte Adler das Gemeinschaftsgefühl zum zentralen psychologischen Kriterium für seelische Gesundheit. Gemeinschaftsgefühl braucht die Grundlage der Zugehörigkeit. Jeder Mensch braucht einen Platz, daraus ergibt sich das Gemeinschaftsgefühl, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und gelebter Gleichwertigkeit.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war die Blütezeit der Individualpsychologie. A. Adler konnte in dieser Zeit ungefähr 30 kostenlose Erziehungsberatungsstellen in Wien errichten.

1920 publizierte er das Buch «Theorie und Praxis der Individualpsychologie».

Von 1926 an besuchte Adler regelmässig die USA. Seine Lehre vom sozialen Menschen gewann in den USA grosses Interesse.

1927 entstand sein 4. Hauptwerk «Menschenkenntnisse» aus den Vorträgen an den Volkshochschulen. 1929 formuliert er das Wort Lebensstil, um damit die vereinheitlichte Zielrichtung eines Menschen zu benennen.

1933 kommt sein 5. und letztes Hauptwerk heraus «Der Sinn des Lebens».

Angesichts der bedrohlichen Umstände siedelte Adler mit seiner Familie 1934 in die USA über. Dort war er schon seit 1926 Gastprofessor. Er unternahm aber immer wieder Vortragsreisen nach Europa. Auf einer solchen Reise starb er 1937 in Aberdeen (Schottland) im Alter von 67 Jahren. Als Alfred Adler kurz vor seinem Lebensende in einer eher depressiven Stimmung mit einem Freund einen Spaziergang machte, fragte er diesen: 
«Ach, weisst Du, wenn ich einmal nicht mehr bin, was wird von mir bleiben?» Dieser sehr kluge Freund antwortete: « Alles. Nur nicht unter deinem Namen.»



Man kann Alfred Adler als Psychologe der heutigen Zeit betiteln. Er hat vieles vorausgedacht, was heute aktuell ist. Viele Ausdrücke von Adler wie Minderwertigkeitsgefühl gehören zu unserer Alltagssprache.

Erwähnenswerte Schüler von Alfred Adler waren Erik Blumenthal und Rudolf Dreikurs. Weitere Schüler von Rudolf Dreikurs sind Reinhold Ruthe und Theo Schoenaker.

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